Quentin Tarantinos INGLORIOUS BASTERDS
Zur Vorbereitung haben wir Roberts Aldrichs DAS DRECKIGE DUTZEND (1967), Ted Posts HANG’EM HIGH (1968) und die beiden Brian G. Hutton-Filme WHERE EAGLES DARE (1969) und STOßTRUPP GOLD (1970) gesehen. Das italienische B-Movie THE INGLORIOUS BASTARDS aus dem Jahr 1978 haben wir ausgelassen, obwohl es den Film – wie ich vorhin festgestellt habe – in unserer gut sortierten Videothek tatsächlich auch gegeben hätte.
Gestern waren wir dann endlich in Tarantinos INGLORIOUS BASTERDS. Und was soll ich sagen: Ein echter Tarantino. Ein sehr guter Film! Sogar die schlecht gespielten Figuren (z.B. Hugo Stiglitz dargestellt vom Keinohrhasen oder Bridget von Hammersmark aka Diane Krüger) passen perfekt ins Handlungsgefüge und wurden wohl mit Absicht mit weniger talentierten Mimen besetzt. Der Film ist ohnehin durchkomponiert bis ins kleinste Detail und sehr klug ausgedacht. Das filmisch hochgradig selbstreflexive Kapitel „Die Rache des Riesengesichts“ – welches den doppelten Anschlag auf die als Publikum versammelten Nazischergen zeigt – ist das Beste, was ich in dieser Hinsicht seit langem gesehen habe und ich habe mich in den letzten Jahren ganz nebenbei wirklich viel mit selbstreferentiellem Kino beschäftigt.
Da außerdem die Schauspielerleistungen einen großen Teil des Films ausmachen, hier noch ein paar diesbezügliche Impressionen: Christoph Waltz spielt den ganz alltäglichen Bösen als eloquenten Opportunisten und Trittbrettfahrer, als Menschen also, dem man auch heute noch überall begegnet. Im Übrigen haben mir Brad Pitt als Apachen- und Trapper-Nachkomme Lt. Aldo Raine und Mélanie Laurent als selbstbewusste Jüdin Shosanna Dreyfus am besten gefallen. Des weiteren interessant – und gut verkörpert obendrein: Lt. Archie Hicox, der von dem überzeugenden Michael Fassbender gegeben wird. Hicox weiß einiges über die deutsche Filmgeschichte der zwanziger und dreißiger Jahre zu berichten und macht als Verschwörer auch sonst eine gute Figur, bis er sich undercover in der französischen Kellerkneipe beim Gläser bestellen ein wenig, nun ja – unglücklich anstellt. Aber ich will hier nicht zu viel von der Story preisgeben, sondern lieber noch kurz über den Tellerrand blicken: Nach allem was ich bisher gelesen habe, zeigt Fassbender in Steve McQueens HUNGER (der am 13.08. theoretisch anlief, praktisch derzeit aber in keinem der Frankfurter Kinos zu sehen ist. UPDATE: die DVD ist schon im Verleih), noch um einiges deutlicher, was er kann.
Schlußendlich rechne ich INGLORIOUS BASTERDS hoch an, dass in einer Passage, die als retardierendes Moment eingefügt wurde, David Bowies „Cat People (Putting Out Fire)“ als Filmmusik verwendet wird, ohne dass es einem kitschig vorkommt – ganz im Gegenteil!
Unser Fazit: Anschauen lohnt sich – auch mehrmals. A basterd’s work is never done.
