Alles auf Anfang – „The Origins“ im Blockbuster-Kino

aussagenlogik.org ist nicht gerade bekannt dafür, eine Lanze für das amerikanische Mainstream-Kino zu brechen, dennoch möchte ich heute einmal ein paar Worte über STAR TREK 11 verlieren, der am vergangenen Mittwoch hierzulande in allen großen Lichtspielhäusern angelaufen ist und uns zeigen möchte, wie die mittlerweile durch mancherlei Ableger mächtig angewachsene Saga begann. Mit dieser Ausgangssituation steht STAR TREK 11 in einer Linie mit anderen Filmen, die die Ursprünge illustrer (Comic-)Helden in Szene setzen, allen voran die beiden meiner Meinung nach gelungensten Streifen dieser „The Origins“-Spezies BATMAN BEGINS und CASINO ROYALE. Aber auch IRON MAN (den ich persönlich nicht so überragend fand) und WOLVERINE (der seine Story leider fast komplett verschenkt) stoßen in dasselbe Horn.


Gemeinsam haben diese Filme allesamt aber nicht nur das Thematisieren von Anfängen, die weniger gelungenen  bestechen zudem durch das faszinierende Unvermögen, große Gefühle – und damit meine ich vor allem Motivationen für Handlungen -  nachvollziehbar in Bild und Ton zu transportieren. Diese Beobachtung trifft nicht auf CASINO ROYALE zu, hier gehört die – erstmals vergleichsweise subtil aufgebrochenene – Kaltschnäuzigkeit von Commander Bond ja ohnehin zum Mythos und soll an dieser Stelle nicht weiter thematisiert werden. Aber mal abgesehen vom vorletzten BOND und von BATMAN BEGINS, der in diesem Fall (und ebenso in THE DARK KNIGHT) ganz sicher von Christian Bales Schauspielkunst profitiert und gleichzeitig davon, dass zuvor alle anderen Fledermaus-Männer merkwürdig blass bis trashig daherkamen, wird in keinem anderen der genannten „The Origins“-Filme tatsächlich klar, warum die Protagonisten so geworden sind, wie wir sie aus den jeweiligen Sequels kennen. 

STAR TREK 11 ist insofern fein raus, als sein Schöpfer J.J. Abrams einfach eine alternative Zeitlinie zur Serie Raumschiff Enterprise konstruiert und somit freie Hand hat, seinem Captain Kirk genau jenen Grad an Unangepasstheit einzuhauchen, der ihm stimmig erschien, unabhängig vom großen Vorbild. In Wahrheit ist der elfte Kinofilm der Star Trek-Reihe ohnehin ein Film über die Figur des Halb-Vulkaniers Spock, der – gekonnt adaptiert von Zachary Quinto und Leonard Nimoy – vor allem in seinen Bemühungen gezeigt wird, seine Gefühle zu beherrschen, aber immer dann am besten ist, wenn er es nicht tut. So richtig auf den ambivalenten Kern dieser Sache kommt der Film dann allerdings leider doch nicht zu sprechen.

Genauso wenig wie in WOLVERINE die endgültige Verwandlung des Mutanten Logan in eine mit einem Adamantium-ummantelten Skelett ausgestattete  Kampfmaschine dadurch erklärt wird, dass er von Menschen, denen er vertraute, auf übelste Weise verraten wurde und dadurch nun doch lieber auf seine tierischen Instinkte vertraut und sie fortan gleichauf mit seiner menschlichen Seite als Grundlage seines Handelns begreift. So viele gute Ansätze und dennoch wird in der filmischen Umsetzung fast alles davon verschenkt!

Fassen wir es mal so zusammen: Das Zeichnen von Ambiguitäten war noch nie die Stärke des Hollywood-Kinos und ist von einem Mainstream-Film wohl auch nicht unbedingt zu erwarten. Schade eigentlich. Dennoch kann ich STAR TREK 11 all jenen empfehlen, die die alte Enterprise-Crew bestehend aus dem Intellektuellen Spock (Kopf), der Seele McCoy (Herz), the body Kirk (Physis & Spontanität) und dem Maschinisten Scotty (Antrieb & Durst) mochten. Guter Plot, nette Storyline und: Im Guten wie im Bösen garantiert keine überwältigenden Emotionen und tiefergehenden Erklärungen, aber zum Glück auch keine Gefühlsduseleien.

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