Hauptsache, wir fliegen!

Captain Mal Reynolds hat die Maxime, dass er (eigentlich) keine hat und froh ist, wenn er sich mitsamt seiner abenteuerlich zusammengewürfelten Crew und dem klapprigen Raumschepperkahn Serenity überhaupt im Orbit halten kann. Klingt, als hätte man das schon 1000 mal gehört? Stimmt genau und ist doch irgendwie anders.

Die US-Serie Firefly (2002/3) und das dazugehörige Kino-Spin-off Serenity (2005) bestechen durch einen Charme, der sich so gar nicht auf einen einzigen Nenner bringen lässt, sondern aus einer Vielzahl von Besonderheiten zusammengesetzt ist. An dieser Stelle will ich mal drei nennen:

1. Obwohl die Serie wirklich gut ist, wurde die Produktion nach 14 Episoden eingestellt, wobei nur 11 Folgen überhaupt im US-TV gezeigt wurden, im deutschen “Fernseh” lief die Serie noch nie. Zum Glück sind sowohl die komplette Staffel als auch der Kinofilm jeweils auf DVD erhältlich und all jene, denen der Sinn nach leichter Unterhaltung mit Stil und Verstand steht, sind mit diesen Konserven bestens bedient.

2. Der Produzent Joss Whedon (Buffy, Angel) hat mit Firefly bewiesen, dass Sci-Fi tatsächlich die Fortführung des Westerngenres ist. In der (diesmal aufs Universum ausgedehnten) Suche nach fremden Welten tauchen wie selbstverständlich Pferde, Kuhherden, Gewehre, Cowboyhüte, Bars, Saloons und weitere hinlänglich bekannte Versatzstücke aus der A man and a gun-Cowboyschublade auf. Der Captain trägt Hosenträger und einen Browncoat und erinnert nicht von ungefähr an eine Figur aus dem Sezessionskrieg, der über 600 Jahre vor dem im Film porträtierten Szenario stattfand.

3. Wie die Südstaatler im echten Leben steht auch Cpt. Reynolds auf der falschen Seite und hat seinen Unabhängigkeitskrieg verloren. In diesem Fall jedoch gegen eine totalitäre Allianz, ein Umstand der der Serie einen durchaus sympathischen Bruch beschert, denn schnell wird klar, dass es in dem der Handlung zugrundeliegenen Bürgerkrieg nicht um die Abschaffung der Sklaverei in Zusammenhang mit rassistischer Unmenschlichkeit geht, sondern generell (und sozusagen spiegelverkehrt) um Widerstand gegen die Unterwerfung durch ein totalitäres interstellares Regime. Vor diesem Hintergrund gewinnt der als Verlierer porträtierte Reynolds echte Konturen, wenn er mitsamt seiner Crew – allen voran seine starke schwarze Mitstreiterin Zoe – versucht, im unübersichtlichen Nachbürgerkriegs- Universum zu überleben.

Mit einer Mischung aus Han Solo-Charme und längst vergessenem (politisch in der Tat inkorrektem) Südstaatenkolorit ist Joss Whedon mit Captain Malcolm Reynolds das letzte echte (und gar nicht unbedingt wunderhübsche) Raubein der Science-Fiction- Seriengeschichte gelungen, das nicht einfach nur für die “eine gute” Sache kämpft (wie etwa der in einem fort Allianzen schmiedende Cpt. Dylan Hunt in Andromeda), sondern aufgerieben ist von den tagtäglichen Schwierigkeiten und kleineren Katastrophen und zudem unglücklich in eine scheinbar unerreichbare Frau verliebt. – Ein Anti-Held also, der sich jedoch wie in Galaxy Quest auf die (nichtexistierende) Fahne geschrieben hat: Niemals aufgeben. Niemals kapitulieren.

Hier noch ein Bildchen: Mitte und rechts die DVD-Hüllen, links mein Blumenkübelchen für Stifte:

Firefly und Stifteblumenkübel

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