Filmreport der Woche: Transylvania als Abschlussfilm des 2. IFFF

Am Abend des 12.11. ging das 2. Internationale Filmfestival Frankfurt (IFFF) nach 11 Tagen mit einem sehr gut besuchten Abschlussfest zu Ende. Organisator Sascha Linse zog zusammen mit Schirmträger Wim Wenders die Bilanz, dass zwar vieles gut gelaufen ist, einiges jedoch noch verbesserungswürdig sei und dass vor allem im nächsten Jahr – mit mehr als den für dieses Mal doch sehr knappen zwei Monaten Vorbereitungszeit – hoffentlich deutlich mehr Publikum für die einzelnen Filmen begeistert werden könne.
Dabei konnte sich das diesjährige Programm durchaus sehen lassen: Unter den 120 Filmen fanden sich viele Perlen wie zum Beispiel die Lech-Kowalski-Retrospektive, eine Nelly-Kaplan-Werkschau oder die indische Apu-Trilogie, die im Rahmen der Carte Blanche-Reihe (Auswahl: Dennis Hopper) vorgestellt wurden.
Publikumspreise
Auch ein Blick auf die durch eine Zuschauerbefragung ermittelten Favoriten kündet von programmatischer Vielfalt und Offenheit. Der erste Publikumspreis ging an Colour me Kubrick (UK/F 2005), der (noch) gar nicht den Weg in unsere Kinos fand und somit in einer Deutschlandpremiere vorgestellt wurde. Auf Platz zwei: Brinkmanns Zorn (BRD 2006), eine – dem Vernehmen nach – faszinierende Hommage an den Literaten Rolf Dieter Brinkmann. Leider habe ich den Namen des publikumspreisgekrönten dritten Films akustisch nicht verstanden (es war auf jeden Fall ein Film aus Asien) und muss diesen erst einmal schuldig bleiben.
Der Abschlussabend: Film und Party
Der Abschlussfilm Transylvania (F 2006) hinterließ bei mir einen starken Eindruck. Birol Ünel spielte den haltlos-haltenden Liebhaber fast noch intensiver als in Gegen die Wand und Asia Argento (ja, sie ist Argentos Tochter) ließ sich auf bewegende Weise von ihre Gefühlen treiben und mitreißen. Emotionsgeladenes Schauspielerkino also, das in klaren und gelungenen Bildern tiefere Einblicke in das Herz Rumäniens gewährte. Ohne die Liebesgeschichte hätte ich den ethnographischen Anteil womöglich als kitschig empfunden und umgekehrt, in der Kombination entfaltete der Film jedoch eine große Suggestivkraft: Wie viel muss man sich verlieren, um sich (und derdiedas andere) zu finden?

Abgerundet wurde der Abend durch einen feuchtfröhlichen Empfang vor dem Film und ein Fest danach, das durch das rumänische Orchestra Nadara musikalisch eindrucksvoll geprägt wurde. Da die Band schon aus dem Film bekannt war, war es jedoch ein ganz klein wenig schade, dass die Party dann doch nicht die Ausgelassenheit des im Film porträtierten Festes erreichte (zumindest nicht solange ich anwesend war). Irgendwie ist sie doch zugleich melancholisch und bittersüß, diese Diskrepanz zwischen Kunst und Leben.
Freuen wir uns auf das 3. IFFF und darüber, dass die Zukunft des Internationalen Frankfurter Filmfestivals nun auf längere Sicht gewährleistet ist!
